🏃‍♂️ Der Long Run mit Endbeschleunigung: So trainierst du die Marathon-Pace

Von WattRun · 6. Mai 2026 · 8 Minuten Lesezeit

Der lange Lauf am Sonntag ist die wichtigste Einheit im Marathon­training. Normalerweise wird dieser im lockeren Grundlagen­bereich (Zone 2) gelaufen. Doch nur locker zu traben, bereitet dich nicht auf die harte Realität des Wettkampfes vor. Du musst lernen, deine Ziel-Pace dann zu laufen, wenn die Beine bereits schwer sind. Die Lösung: die Endbeschleunigung.

Kurzfassung: Long Run mit Endbeschleunigung = ersten Teil locker, im letzten Drittel auf Marathon-Pace. Simuliert Renntag-Bedingungen unter Vorermüdung. Alle 2–3 Wochen einbauen, nicht öfter — die Einheit ist anspruchsvoll.

Was ist ein Long Run mit Endbeschleunigung?

Anstatt die gesamten 28 bis 32 Kilometer in einer Wohlfühl-Pace zu laufen, integrierst du deine geplante Marathon-Pace (M-Pace) in das letzte Drittel des Laufs. Die Idee: du verbringst die ersten 60–70 % der Distanz im aeroben Bereich (Z2), aktivierst Fett­stoffwechsel, sammelst Time-on-feet — und schaltest dann auf Renntempo, genau dann, wenn deine Beine bereits müde sind. Genau das, was am Renntag bei Kilometer 30 passiert.

Ein Beispiel-Workout

Stell dir vor, du planst einen 30-Kilometer-Lauf. Deine Zielzeit für den Marathon ist 3:30 Stunden (Pace 4:58 min/km). Dein Workout sieht so aus:

AbschnittDistanzPaceZoneZweck
Aufwärm­phasekm 1–205:40–5:50/kmZ2 (Easy)Time-on-feet, Fettstoffwechsel
Endbeschleunigungkm 21–284:58/km (M-Pace)Z3Renntag-Spezifität unter Vorermüdung
Cool-downkm 29–305:30–6:00/kmZ2Lockeres Auslaufen

Gesamt-Zeit: ca. 2:35:00. Gesamt-Belastung: ~140–160. Eine echte Wettkampf-Vorbereitungs­einheit.

Warum das so effektiv ist

Im Wettkampf ist es ein Kinderspiel, deine Ziel-Pace auf den ersten 10 Kilometern zu laufen — du bist frisch, das Adrenalin pusht. Die wahre Heraus­forderung ist, die Pace bei Kilometer 35 zu halten. Hier kommen vier Effekte zusammen:

1. Muskuläre Spannung trainieren

Nach 20 km Easy-Lauf sind deine Muskelfasern bereits müde. Wenn du dann auf M-Pace umschaltest, lernen deine Beine, Spannung trotz Vorermüdung zu erzeugen. Genau das musst du am Renntag bei Kilometer 32 abrufen.

2. Glykogen-Management

Nach 20 km Easy hast du etwa 40–50 % deiner Glykogen­speicher verbraucht. Auf M-Pace wechselst du in einen kohlenhydrat-lastigeren Modus — und trainierst dabei die letzten Reserven, die am Renntag entscheidend sind. Wer hier richtig fuelt (Carbs während des Laufs), übt gleichzeitig die Wettkampf-Verpflegungs­strategie.

3. Mentale Härte

Der Punkt, an dem du auf M-Pace umschaltest, fühlt sich am Anfang härter an, als die echte Pace ist. Genau dieses Gefühl — "harte Pace mit müden Beinen" — wirst du am Renntag spüren. Wer die Empfindung im Training kennt, kommt am Renntag nicht in Panik.

4. Selbstvertrauens-Boost

Wenn du im Training 8 km auf M-Pace nach 20 km Easy schaffst, weißt du am Renntag: das geht. Selbstvertrauen ist im Marathon-Schluss die Hälfte der Miete.

Progression über die Trainings­wochen

Die Endbeschleunigung baut sich progressiv auf. So sieht eine typische Marathon-Vorbereitung aus:

Trainings­wocheLong Run totalEndbeschleunigungBemerkung
Woche 826 km4 km @ M-PaceErste Einführung
Woche 1028 km6 km @ M-PaceSteigerung
Woche 1130 km8 km @ M-PaceHauptblock
Woche 12 (Recovery)22 kmKomplett easy
Woche 1332 km10 km @ M-PaceLängste Endbeschleunigung
Woche 14 (Peak)32 km16 km @ M-PaceHärteste Einheit der Vorbereitung

Diese Progression baut Marathon-Spezifität auf, ohne dich zu übertrainieren. Der Schlüssel: maximal eine Endbeschleunigung pro 14 Tage. Dazwischen "nur" lockere Long Runs zur Erholung und Volumen­erhaltung.

Häufige Fehler

Variation: Cut-Down Long Run

Eine alternative Form der Endbeschleunigung ist der "Cut-Down" — die Pace wird über die zweite Hälfte progressiv gesteigert:

AbschnittPace
km 1–15 (Easy)5:50/km
km 16–22 (Marathon-Pace+)5:15/km
km 23–28 (Marathon-Pace)4:58/km
km 29–30 (Marathon-Pace−)4:48/km

Cut-Downs simulieren Negative Split — gut für fortgeschrittene Marathonis, die bereits eine Endbeschleunigung gemeistert haben.

Wichtig: Erholung

Diese Einheiten sind extrem anstrengend. Baue sie nur alle zwei bis drei Wochen ein und achte danach auf gute Regeneration:

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Häufige Fragen zur Endbeschleunigung

Ab wann sollte ich Endbeschleunigungen in meine Long Runs einbauen?
Nach 4–6 Wochen Aufbau-Phase. Du brauchst eine solide aerobe Basis (3+ Long Runs über 20 km in den letzten 4 Wochen), bevor du Endbeschleunigungen sinnvoll fahren kannst. Davor ist es Übertrainings-Risiko.
Wie viel Endbeschleunigung ist genug?
In der Peak-Phase 12–16 km auf Marathon-Pace nach 16–20 km easy. Mehr braucht es nicht — und mehr ist Verletzungs­risiko ohne zusätzlichen Trainings­ertrag. Wer 16 km auf M-Pace im Training schafft, schafft am Renntag 42 km.
Was wenn die M-Pace im Training nicht durchhält?
Zwei Optionen: 1) Wenn die Pace 5–10 Sek/km abdriftet, durchhalten — der Trainings­reiz ist trotzdem da. 2) Wenn die Pace 15+ Sek/km absackt, abbrechen und easy auslaufen. Wichtiger Datenpunkt: deine M-Pace-Erwartung ist eventuell zu optimistisch, deine Zielzeit anpassen.
Long Run mit Endbeschleunigung oder lieber 32 km easy?
In der Spezifik-Phase (letzte 4–6 Wochen vor dem Marathon) klar Endbeschleunigung — sie produziert mehr renn-spezifischen Trainings­ertrag pro Kilometer als reines Easy-Laufen. In der frühen Build-Phase ist 32 km easy besser, weil die Marathon-Spezifität noch nicht im Vordergrund steht.
Sollte ich die Endbeschleunigung auch bei Hitze laufen?
Ja, aber Pace anpassen. Bei 20+ °C die M-Pace um 10–15 Sek/km drosseln. Du trainierst Constant Effort, nicht Constant Pace. Wer bei 28 °C versucht, seine Sub-3:30-M-Pace zu halten, brennt nur seine Speicher leer ohne Trainings­nutzen.